Die Saison 2012/2013 in der Ligat ha’Al läuft langsam aber sicher aus. Ein Großteil der Entscheidungen ist getroffen. So steht Maccabi Tel Aviv bereits als verdienter Meister fest. Auch die beiden Teilnehmer für die Europa League dürften mit Maccabi Haifa und Hapoel Tel Aviv gefunden sein. Der einzige Verfolger des Duos, der letztjährige Meister, Ironi Kiryat Shmona könnte über einen Erfolg im Finale des Landespokals ebenfalls nächste Saison wieder Europapokalluft schnuppern.
So bleibt es im Abstiegskampf am Spannendsten. Einzig der SC Ashdod hat sich bereits gerettet, während Hapoel Ramat Gan nach nur einer Saison erneut den Gang in die Liga Leumit antreten muss. Für die anderen sechs der acht Mannschaften aus der Abstiegsrunde, geht es am Samstag um 19:10 Uhr darum, den Erhalt in der Ligat ha’Al zu sichern.
Das diese sechs Teams auch noch allesamt in direkten Duellen aufeinandertreffen sorgt für weitere Brisanz und volle Stadien. Auch, da alle Clubs dabei ihr Schicksal selbst in der Hand haben und durch einen Sieg, unabhängig von den anderen Ergebnissen, den Klassenerhalt sichern können. Selbst bei einem Unentschieden würde es jedem Abstiegskandidaten genügen im Oberhaus zu verbleiben, dann allerdings abhängig von den anderen Resultaten. Und so wird jedes Tor am Samstag für das Zittern bei den anderen Clubs sorgen.
Die mit Sicherheit heißeste Partie am letzten Spieltag der Abstiegsrunde steigt im Doha, wo Ihud Bnei Sakhnin ausgerechnet auf Beitar Jerusalem trifft. Das Stadion war binnen weniger Stunden restlos ausverkauft. Zwar war bis zuletzt unklar, ob die Fans von Beitar ihren Boykott für diese so wichtige Partie unterbrechen, doch letztlich hat man sich entschieden den Spielern den Rücken zu stärken. Wie sehr die Stimmung seit Tagen auf dem Siedepunkt ist, beweist ein geschmackloses Bild, welches aus dem Umfeld der Ultras Sakhnin stammen soll und die Atmosphäre weiter anheizte.
So sollen am Samstag über 700 Polizisten und 150 Sicherheitskräfte das Spiel absichern. Aus Angst vor Ausschreitungen hat der Verband angekündigt im Falle jeglicher Störung den Gastgebern zehn Punkte abzuziehen. Es wird unter anderem befürchtet, dass Hunderte Fans ohne Tickets versuchen könnten das Stadion zu stürmen.
Sportlich gesehen spricht die Bilanz der bisherigen Treffen für Bnei Sakhnin, die zudem in der Abstiegsrunde einen deutlich besseren Eindruck als Beitar hinterließen. So ist das arabische Team seit sechs Spielen ungeschlagen, während Beitar ihrerseits nur eins ihrer letzten 13 Spiele gewinnen konnte. In wieweit die ausstehenden Gehälter und das Chaos um die Clubübernahme durch Eli Tabib die Spieler verunsichern wird sich zeigen. Beide Teams können mehr oder weniger aus den Vollen schöpfen.
Das Nachbarschaftsduell zwischen Hapoel Haifa und Hapoel Akko mag zwar weniger Brisanz auf den Rängen bieten, doch auch hier geht es für beide um Alles. So setzte man selbst in Akko, die sonst kaum mehr als ein Dutzend Fans zu Auswärtsfahrten animieren konnten, bereits 250 Karten im Vorverkauf ab. Die Gäste werden wohl jeden Fan nötig haben, denn Hapoel Haifa steigerte sich in der Abstiegsrunde und kletterte aus dem Keller auf den zweiten Platz. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass das Team vom Carmel den Gang in die Zweitklassigkeit antreten muss. Und so bekamen die Spieler eine klare Ansprache vom Clubbesitzer Yoav Katz und Trainer Nir Klinger, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen und sich noch weniger auf das Geschehen auf den anderen Plätzen zu konzentrieren, sondern alles dafür zu tun aus eigener Kraft die Liga zu erhalten. Dies wollen natürlich auch die Gäste, die letzte Woche Hapoel Ramat Gan in die Liga Leumit beförderten und seit nunmehr acht Spielen ungeschlagen sind. Trainer Yuval Naim muss wohl im Gegensatz zu seinem Kollegen Nir Klinger auf eine wichtige Stütze verzichten. Ausgerechnet der Torjäger Ohad Kadusi hat sich verletzt und sein Einsatz wird sich erst kurzfristig entscheiden.
Mit Rückenwind dürfte auch Maccabi Netanya in die Partie gehen, hat man doch zuletzt vier Mal in Folge nicht verloren und die beiden letzten Spiele gewonnen. Ohnehin gibt das Team unter dem neuen alten Trainer Reuven Atar ein besseres Bild ab als noch während der regulären Saison. Und so darf man sich in der Diamantenstadt Hoffnung auf den Klassenerhalt machen, auch wenn man mit der schlechtesten Ausgangssituation aller sechs Abstiegskandidaten ins Rennen geht. Bei einem Sieg würde man jedoch Hapoel Beer Sheva hinter sich lassen. Und so kann man ein heißes Duell auf dem Platz und den Rängen erwarten. Rund 10.000 Tickets wurden für die Partie bereits abgesetzt, darunter gut 1.500 allein in der Stadt im Negev. Gut 100 von ihnen haben den Spielern bereits bei einem Besuch des Abschlusstrainings klar gemacht, was sie von ihnen erwarten. Ein Abstieg dürfte für beide Teams einen groben Einschnitt bedeuten. Ohnehin ist die Partie das Duell zweier großer Enttäuschungen. Auf der einen Seite Europapokalstarter Maccabi Netanya und auf der anderen Hapoel Beer Sheva, deren Saisonziel der Kampf um einen Platz im Europapokal war. Doch statt der Meisterrunde müssen nun beide bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern.
Reuven Atar kann für das Spiel auf nahezu den gesamten Kader zurückgreifen, auch wenn Ahmad Sabaa nur unter Schmerzen auflaufen kann. Dass er eine Schlüsselrolle einnehmen wird, lässt sich nur vermuten, da man in Netanya die Schwachstelle bei den Gästen in der Defensive auszumachen scheint. Allerdings trifft dies auch auf Maccabi zu. Und so ist zu erwarten, dass es eine offene Partie mit vielen Torraumszenen geben wird.
Die Ausgangslage in der Abstiegsrunde könnte übrigens durchaus dazu führen, dass am Ende nicht die Punktzahl oder die Tordifferenz ausschlaggebend sein werden, sondern die Anzahl der geschossenen Tore für eine Entscheidung sorgen muss. Am Samstagabend gegen 20:00 Uhr werden wir wissen, wer den Gang in die Zweitklassigkeit antreten muss.




Verfasst von israelfussball 
















